Heute mal wieder etwas ohne Rezept, aber eine wie ich finde interessante kleine Geschichte aus dem Bereich Sprache…….Neulich plauderte ich mal wieder mit meinem Vater und wie so oft tauchten dabei mal wieder ganz spannende Dinge auf: So verleiteten ihn der laue Abend und der gute Rotwein über so manches zu erzählen, unter anderem über Lautmalerei - und ich dachte mir, die Geschichte sei es wert, weitererzählt zu werden.
Lest mal folgendes Zitat, wobei Ihr die Betonung zweimal auf das „a“ von aqua legen müßt:
“Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant”
Da hat man schon eine Ahnung, worum es sich handelt, oder?
In deutscher Übersetzung heißt das: „Obwohl sie unter Wasser sind, versuchen sie auch noch unter Wasser weiter zu lästern.“
Der Vers stammt aus den “Metarmorphosen” - „Bücher der Verwandlungen“ - von dem römischen Dichter Ovid, der darin die Entstehung und Geschichte der Welt in den Bildern der antiken Mythologie und Sagen beschreibt . Wikipedia schreibt hierzu: „Ovid wählt sich die in Mythen so häufig anzutreffenden Verwandlungsgeschichten zum Thema, in denen meist ein Mensch oder ein niederer Gott in eine Pflanze, ein Tier oder ein Sternbild verwandelt wird.“
Der Vers stammt aus der Verwandlungsgeschichte „Die lykischen Bauern“, die folgenden Inhalt hat - nach wikipedia die Kurzfassung der Geschichte:
Die lykischen Bauern sammeln an einem kleinen See Binsen und Schilf, als <die Göttin> Latona und ihre Kinder, die wegen der Sommerhitze dem Verdursten nahe und völlig erschöpft sind, kommen und erbitten zu trinken. Die Bauern verbieten Latona, obwohl sie demütig bittet und überzeugend argumentiert, nicht nur zu trinken, sondern wirbeln dazu noch Schlamm im Wasser auf, um es untrinkbar zu machen. Daraufhin verflucht Latona sie, auf ewig in diesem See zu leben. In ihrer Verblendung erkennen die Bauern ihre Sünde nicht, sondern - „Quamvis sunt sub aqua, sub aqua maledicere temptant“ (obwohl unter Wasser, versuchen sie doch weiter zu schmähen) - fahren in ihrem gotteslästerlichen Treiben fort…..
Mit dem Vers ist auch ohne jede Nennung der Tierart im Text klar, was geschehen ist. Latona hat die Bauern in Frösche verwandelt. Erst danach erfolgt im Text die explizite Erklärung: … “Schulter berührt sich und Kopf, und der Hals scheint mitten zu fehlen. Grün ist der Rücken und weiß der Bauch, an dem Leibe das Größte, und so hüpfen sie nun als Frösche im schlammigen Wasser.”
Mir hat es gefallen, wie der Dichter die Verwandlung sogar lautmalerisch wiedergibt, so dass schon beim Lesen das quak-quak der Frösche zu hören ist. Dass muß einem erst einmal einfallen!!
Allen, die mehr wissen möchte, sei der Blick auf den weiteren Artikel in wikipedia empfohlen.
Und wie immer gibt es bald wieder weiteres!