1. Juli 2009

Gigantisch, unterhaltsam, mörderisch

Kategorie: Antike, Monumente, Römisches — nlohe @ 21:21

Vor ein paar Tagen kam ein Gespräch über das Kochen auf Italien, dann auf Rom und eben die großartigen Monumente und letztendlich auf das Kolosseum…….und wir stellten alle fest, wie wenig wir doch eigentlich über dieses imposante Bauwerk wissen…….nun denn, ich habe mal überblicksartig recherchiert, allerdings diesmal ohne Rezept :)…..

Und zur Einstimmung hier der Blick auf das Kollsoseum inmitten des ganz normalen römischen Wahnsinns, dem Alltagsverkehr auf der Via Fori Imperiali….

Von der Via Fori Imperiali zum Colosseum

Von der Via Fori Imperiali zum Colosseum

„Abends kamen wir ans Coliseo, da es schon dämmerig war. Wenn man das ansieht, scheint wieder alles andere klein,

es ist so groß, dass man das Bild nicht in der Seele halten kann, man erinnert sich dessen nur kleiner wieder und kehrt man dahin zurück, kommt es einem aufs Neue größer vor.“ So erlebt Goethe am 11.11.1786 den Blick auf das gewaltige Monument Roms bei seiner “Italienisches Reise”.

Wer einmal von der Via Fori Imperiali vorbei am Kapitol, dem Forum Romanum und dem Konstantinsbogen auf das Kolosseum zufährt, kennt vielleicht auch dieses überwältigende Gefühl, beim Anblick des imposanten Bauwerks mitten in das antike Leben katapultiert zu sein.

Und der gigantische Eindruck trügt nicht: Ist das Kolosseum doch das größte Theater der römischen Welt und noch dabei auch noch eines der wenigen Amphitheater, das heißt „rundherum“ gebaut, und eben nicht ein Halbrund wie üblicherweise die meist in einen Berg gebauten antiken Theater.

Kolossal ist es in seinen Ausmaßen, hier mal aus diversen Quellen zusammengetragen:

  • So besteht es aus 100.000 Kubikmeter Travertinblöcken
  • Es weist eine Höhe von 50 m auf, mit erst drei, später vier Arkadenreihen
  • In der Ellipse misst es 156 bis 188 m im Durchmesser
  • Es hatte ein Fassungsvermögen von ca. 50.000 – 70.000 Zuschauer bei ca. 50 Sitzreihen
  • 80 Einlaßtore gewährten den Zuschauern Zutritt in die Arena

Und geradezu neuzeitlich ist es in all seinen Möglichkeiten: So konnte das Theater mit einem Sonnensegel überzogen werden und um Seeschlachten durchzuführen, wurde die Arena mit Wasser gefüllt.

Die Bauarbeiten begannen unter Kaiser Vespasian um 70 n.Chr., der sich damit selbst ein Denkmal setzten und seinen Namen verewigen wollte. Und weil ihm zwischendurch das Geld ausging, belegte er die öffentlichen Latrinen (Toiletten) mit einer Steuer - hierher stammt übrigens das geflügelte Wort „Geld stinkt nicht“ (lat. pecunia non olet). Eingeweiht wurde das Colosseum erst im Jahre 80 n. Chr. unter Kaiser Titus, der dazu 100 Tage wäherende Spiele durchführte, bei denen zahlreiche Gladiatoren und tausende wilde Tiere getötet wurden.

Und hier zeigt sich die andere erbarmungslose und leider auch sehr blutrünstige Seite in der Geschichte des Bauwerks: Als gesellschaftliche Großereignisse führten die Caesares immer wieder Circusspiele, Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe durch, die Zuschauer aus dem ganzen römischen Reich anzogen.

An dieser Stelle muß man sich im Anblick der großartigen Architektur und beeindruckenden Technik auch vor Augen halten, dass das Kolosseum also auch die Kulisse war für den Verfall des römischen Staates und seiner Gesellschaft, wenn man bedenkt, dass die Gladiatorenkämpfe eigentlich Hinrichtungen waren, da die Zweikämpfe immer tödlich ausgingen, und mit den Tierhetzen zur Zeit der Christenverfolgung Menschen den Tieren vorgeworfen wurden.

Die Bürger Roms hatten dabei kostenlos Zutritt zu diesen “Spielen”. Als politische Kampagne unter dem Titel „Panem et Circenses“ versuchten die Herrschenden das römische Volk mit einem Unterhaltungsangebot ruhig und zufrieden zu halten. Und so findet auch heute noch das geflügelte Wort “Brot und Spiele” mit Ursprung in den Satiren des römischen Dichters Juvenal seine Verwendung.

Erst im 3. Jahrhundert n. Chr. wurden unter Kaiser Konstantin die Gladiatorenkämpfe verboten. Im Mittelater diente das Kolosseum dann als Festung und wurde in der Renaissance sogar als Steinbruch genutzt. Seit dem 18.Jahrhundert wurde das größte antike Bauwerk vor weiterem Raubbau bewahrt und ist bis heute als eines der größten Wahrzeichen der antiken Welt bestaunt.

Und wie immer, gäbe es noch mehr zu erzählen…..aber das demnächst, dann auch wieder inklusive kulinarischen Ideen….

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